"Man darf nie denken, dass man keine Chance hat in der Basketball-Welt"

Foto: Norbert Schulz

Hin­ter euch liegt ei­ne pa­cken­de ers­te Sai­son in der 2. Bas­ket­ball Bun­des­li­ga ProB. Was ist dein Fa­zit zur ab­ge­lau­fe­nen Spiel­zeit?


Se­bas­ti­an Kehr: Als Auf­stei­ger ha­ben wir uns im ers­ten Jahr ins­ge­samt gut prä­sen­tiert. Ich den­ke, dass wir als Ver­ein ei­nen gu­ten Ein­druck hin­ter­las­sen ha­ben und nie völ­lig un­ter­le­gen wa­ren. Al­so, ei­nen Platz in die­ser Li­ga ha­ben wir de­fi­ni­tiv ver­dient. Mit Blick auf die Er­geb­nis­se muss man na­tür­lich sa­gen, dass wir mit sie­ben Sie­gen aus 22 Spie­len für un­se­ren Ka­der ei­gent­lich zu we­nig Er­fol­ge ein­ge­fah­ren ha­ben. Es gab vie­le Spie­le, in de­nen wir gut ge­spielt ha­ben, hin­ten raus aber die Punk­te ab­ge­ge­ben ha­ben.


Nach drei über­ra­gen­den Sie­gen in Fol­ge zu Sai­son­be­ginn seid ihr in ei­ne Ne­ga­tiv­se­rie ver­fal­len. Wie geht man da­mit als Neu­ling in der Li­ga um?


Das hat­te so na­tür­lich kei­ner er­war­tet, auch weil wir die Geg­ner in der Li­ga vor­her noch gar nicht wirk­lich kann­ten. Als wir dann in ei­ne Nie­der­la­gen­se­rie ge­ra­ten sind, war es für uns als Team nicht so ein­fach, da wie­der raus­zu­kom­men. Aber als Bas­ket­bal­ler lernst du auch aus je­der ein­zel­nen Plei­te die rich­ti­gen Schlüs­se zu zie­hen. Trotz­dem ha­ben wir je­de Wo­che aufs Neue wahr­ge­nom­men, dass ei­nem in so ei­ner star­ken Li­ga nichts ge­schenkt wird. Je­des Spiel und je­der Sieg muss hart er­kämpft wer­den in der ProB, das ha­ben wir in die­ser Sai­son auch ge­lernt.


Wie hast du das spie­le­ri­sche Ni­veau in der ProB im Ver­gleich zur Re­gio­nal­li­ga wahr­ge­nom­men?


Das ist echt ei­ne in­ter­es­san­te Fra­ge. Ich selbst hat­te das Ge­fühl, in der ProB bes­ser zu­recht zu kom­men als in der Re­gio­nal­li­ga. Es gibt sehr vie­le Teams, die jun­ge Spie­ler ent­wi­ckeln in die­ser Li­ga, die zwar schon auf ho­hem Ni­veau spie­len, aber teil­wei­se auch noch et­was un­er­fah­ren sind. Als er­fah­re­ner Spie­ler kann man da viel­leicht schon et­was eher sei­ne Vor­s­tei­le aus­spie­len. Trotz­dem gibt es durch­weg kei­ne schlech­ten Teams in der ProB. In der Re­gio­nal­li­ga hast du hin­ge­gen ei­ne Hand voll star­ke Teams oben in der Ta­bel­le und schwä­che­re Teams, die oh­ne­hin nur ge­gen den Ab­stieg spie­len. In der ProB kannst du je­des Spiel ge­win­nen oder ver­lie­ren, die­se Li­ga ist deut­lich aus­ge­gli­che­ner.


Durch die ge­sund­heit­li­che Ent­wick­lung im Land wur­de die Sai­son vor ei­ni­gen Wo­chen ganz plötz­lich für be­en­det er­klärt. Wie seid ihr Spie­ler mit die­ser un­er­war­te­ten Ent­schei­dung um­ge­gan­gen?


Wir als Spie­ler ha­ben so­was na­tür­lich auch noch nie er­lebt. Es war ge­ra­de die Haupt­run­de vor­bei, wir woll­ten uns auf die Play­downs vor­be­rei­ten und dann wird plötz­lich al­les ab­ge­bro­chen. Das war im ers­ten Mo­ment sehr sur­re­al, wir hat­ten zu dem Zeit­punkt ei­nen gu­ten Lauf und woll­ten noch­mal al­les raus­hau­en in den letz­ten Par­ti­en. Das war wirk­lich sehr merk­wür­dig und ei­ne ko­mi­sche Si­tua­ti­on, plötz­lich nicht mehr auf dem Feld um den Klas­sen­er­halt kämp­fen zu kön­nen. Dann müs­sen sol­che Ent­schei­dun­gen auf ein­mal von Gre­mi­en ent­schie­den wer­den, für ei­nen Spie­ler ist so­was ex­trem un­be­frie­di­gend. Trotz­dem bin ich na­tür­lich sehr froh für un­se­ren Ver­ein und vor­al­lem für un­se­re Fans, dass wir de­nen in der nächs­ten Sai­son wie­der ProB-Bas­ket­ball prä­sen­tie­ren kön­nen. Dass wir da wei­ter­ma­chen kön­nen, wo wir auf­ge­hört ha­ben und in der Ent­wick­lung des Ver­eins nicht noch­mal ei­nen Schritt zu­rück­ge­hen müs­sen. Da sind wir schon ziem­lich er­leich­tert, auch wenn wir uns den Klas­sen­er­halt lie­ber sport­lich ge­si­chert hät­ten.


Du giltst mitt­ler­wei­le als Düs­sel­dor­fer Ur­ge­stein und durf­test dein Team in der Sai­son 2019/20 so­gar als Mann­schafts­ka­pi­tän in der ProB aufs Par­kett füh­ren. Wie hast du die­se ver­ant­wor­tungs­vol­le Rol­le auf­ge­nom­men?


Für mich per­sön­lich war das ei­ne rie­sen­gro­ße Sa­che! Vor al­lem, wenn ich jetzt mal zehn Jah­re zu­rück­den­ke. Ich kann mich noch dar­an er­in­nern, wie mich ein Trai­ner aus der Ju­gend ein­mal frag­te, was ich sport­lich er­rei­chen möch­te. Ich konn­te sei­ne Fra­ge da­mals noch gar nicht so ge­nau be­ant­wor­ten. Ir­gend­wann ha­be ich mir selbst dann aber ge­sagt: 'Ich möch­te in die ProB kom­men.' Das war, als ich selbst noch in jun­gen Jah­ren in der Ober­li­ga ge­spielt ha­be. Dass ich jetzt auch wirk­lich das ers­te Jahr in der ProB ge­spielt ha­be, fühlt sich ein­fach gro­ß­ar­tig an. Ich konn­te mein per­sön­li­ches Ziel nicht nur ver­wirk­li­chen, son­dern durf­te gleich viel Ver­ant­wor­tung über­neh­men und un­ser Team so­gar als Mann­schafts­ka­pi­tän aufs Feld füh­ren. Bei uns in Düs­sel­dorf war es ja nicht im­mer so, dass wir um Auf­stie­ge mit­spie­len kön­nen oder dass wir auch in der Re­gi­on ei­ne an­er­kann­te Grö­ße sind. Frü­her muss­ten wir um al­les kämp­fen, auch dass uns star­ke Nach­wuchs­spie­ler nicht früh­zei­tig ver­las­sen. Erst im Nach­hin­ein weiß ich es jetzt wert­zu­schät­zen, was es be­deu­tet, wenn man sei­ne Zie­le er­reicht hat, die man sich mal ge­steckt hat­te. Man darf nie den­ken, dass man kei­ne Chan­ce hat in der Bas­ket­ball-Welt.


Vie­len Dank für das In­ter­view, Bei­ßer!